Kinderfüße

Geburt mit großem Empfangskomitee – Denise und Titus

Zwischen Bauklötzen und Spritzen – Denise Kindheit

Hämophilie? Das war mir schon als kleines Mädchen ein Begriff. Kein Wunder, schließlich habe ich eine Halbschwester und drei Brüder, wovon zwei die schwere Hämophilie A haben. Meine Halbschwester und ich selbst sind noch dazu Konduktorinnen. Zugegeben, das prägt die Kindheit schon ziemlich stark. Aber ich will mich gar nicht beschweren. Als Konduktorin hatte ich nur minimal schlechtere Werte als normal. Gut, Kickboxen schied somit als Hobby für mich aus, aber das war alles kein Vergleich zu der Situation meiner Brüder.

In der Schulzeit hat ihnen nämlich die Hämophilie ganz schön zu schaffen gemacht – und zwar wegen echt gemeiner Kommentare ihrer Mitschüler. Wenn ich also eines aus der Kindheit mit meinen Brüdern gelernt habe, dann ist es die Erkenntnis: Je früher man über die Hämophilie offen spricht desto besser. Mit einer solchen Selbstverständlichkeit kann man auch bösen Kommentaren direkt vorbeugen.

Schock und Vorfreude zugleich –  Emotionale Schwangerschaft
 

Ganz so selbstverständlich war es für mich selbst dann trotzdem nicht. Ich hatte mir so sehr eine natürliche Geburt gewünscht. Doch als das Geschlecht unseres Babys bekannt wurde, war ein Kaiserschnitt leider unausweichlich, was für mich erstmal ein kleiner Schock war. Patrick und ich hatten vorher offen über das Risiko eines kranken Kindes gesprochen und sogar ein Baby „aus dem Reagenzglas“ in Erwägung gezogen. Aber was hat das schon mit einem schönen und unvergesslichen Zeugungsmoment zu tun? Leider gar nichts! So stand für uns fest, dass wir auf natürliche Weise ein Kind zeugen wollen. Und ja, wir haben schon ein bisschen darauf gehofft, dass es vielleicht ein gesundes Mädchen wird. Als in der 19. Woche fest stand, dass es ein Junge ist, wurde mir meine Rolle als Konduktorin plötzlich wieder schmerzlich bewusst. Immerhin bestand damit das Risiko, dass unser Kind höchstwahrscheinlich die Hämophilie erben wird. Das machte den gefürchteten Kaiserschnitt dann leider unausweichlich.

Doch ich gewöhnte mich an den Gedanken und während meine Mutter mir mit ihrer eigenen Erfahrung sehr viel Halt gab, nahm es mein Verlobter sogar mit Humor und gab zu: „Ich bin eigentlich auch ganz froh, dass wir einen Jungen bekommen und keine Zicke.“

Familie nach der Geburt

Empfangskomitee im Kreißsaal  – Großes Geburtsteam


Patricks Optimismus und die gute Vorbereitung während meiner echt problemlosen Schwangerschaft, in der mein Faktorspiegel stieg, brachten mir dann die ersehnte Vorfreude auf unser Baby. Alle sechs Wochen besuchten wir das Gerinnungszentrum in Duisburg und ich wurde sehr sorgsam auf den geplanten Kaiserschnitt vorbereitet. Meine Hebamme war dabei eine echte Stütze. Sie hatte noch nie vorher einen solchen Fall gehabt, aber absolut keine Berührungsängste –einfach cool. Falls sie unsicher gewesen wäre, hätte sie aber auch Tag und Nacht im Gerinnungszentrum nachfragen können. Das hat mir auf jeden Fall ein sicheres Gefühl gegeben.
Sechs Wochen vor dem Geburtstermin habe ich einen genauen Plan bekommen, wie der Ablauf sein wird und auch die Krankenschwestern wurden sehr sensibilisiert.
Und dann kam der Tag der Geburt. Dessen Bedeutung wurde mir spätestens klar, als gefühlt das halbe Klinikpersonal im Kreißsaal stand. Drei Ärzte, eine Anästhesistin und meine Hebamme holten unseren Kleinen auf die Welt. Mein Verlobter und meine Mutter machten das Empfangskomitee für unseren Titus perfekt. Zum Glück verlief der Kaiserschnitt ganz ohne Komplikationen. Von meinen Sorgen keine Spur mehr!

Titus

Im Strampler zum Physiotherapeuten – Titus erste Lebensmonate


In der Schwangerschaft hatten wir uns bewusst gegen eine Fruchtwasseruntersuchung entschieden. Natürlich hätten wir so direkt gewusst, ob unser Baby die Hämophilie hat, aber das hätte für uns keinen Unterschied gemacht. So gab uns dann nach der Geburt ein Bluttest Gewissheit:
Titus hat Hämophilie A. Und schnell waren sie wieder da: meine Sorgen. Der Gedanke, dass er bald in seine kleinen Venen Spritzen bekommen muss, machte mich traurig. Doch meine Familie hat mich super aufgebaut und mir gezeigt, dass es keinen Grund gibt, Trübsal zu blasen. Titus geht es schließlich gut. Wir gehen alle zwei Wochen ins Gerinnungszentrum und zum Physiotherapeuten, um seine Gelenke zu checken und tun natürlich alles Notwendige, dass er fröhlich und unbeschwert aufwachsen kann. Die fiesen Spritzen werden wir unserem Kleinen zwar nicht ersparen können, aber daran wird er sich schon gewöhnen und seine späteren Freunde ganz bestimmt auch.

Hallo, mein Name ist Denise, ich bin 25 Jahre alt und lebe zusammen mit meinem Verlobten Patrick  in einem kleinen Dörfchen im Kreis Kleve. Vor ziemlich genau fünf Monaten ist unser Sohn Titus Phil auf die Welt gekommen, der an der schweren Verlaufsform der Hämophilie erkrankt ist. Ich bin gelernte Heilerziehungspflegerin und arbeite in einem Wohnheim für Autisten. Aktuell bin ich aber in Elternzeit.

Geburt mit großem Empfangskomitee – Denise und Titus

Zwischen Bauklötzen und Spritzen – Denise Kindheit

Hämophilie? Das war mir schon als kleines Mädchen ein Begriff. Kein Wunder, schließlich habe ich eine Halbschwester und drei Brüder, wovon zwei die schwere Hämophilie A haben. Meine Halbschwester und ich selbst sind noch dazu Konduktorinnen. Zugegeben, das prägt die Kindheit schon ziemlich stark. Aber ich will mich gar nicht beschweren. Als Konduktorin hatte ich nur minimal schlechtere Werte als normal. Gut, Kickboxen schied somit als Hobby für mich aus, aber das war alles kein Vergleich zu der Situation meiner Brüder.

In der Schulzeit hat ihnen nämlich die Hämophilie ganz schön zu schaffen gemacht – und zwar wegen echt gemeiner Kommentare ihrer Mitschüler. Wenn ich also eines aus der Kindheit mit meinen Brüdern gelernt habe, dann ist es die Erkenntnis: Je früher man über die Hämophilie offen spricht desto besser. Mit einer solchen Selbstverständlichkeit kann man auch bösen Kommentaren direkt vorbeugen.

Schock und Vorfreude zugleich –  Emotionale Schwangerschaft
 

Ganz so selbstverständlich war es für mich selbst dann trotzdem nicht. Ich hatte mir so sehr eine natürliche Geburt gewünscht. Doch als das Geschlecht unseres Babys bekannt wurde, war ein Kaiserschnitt leider unausweichlich, was für mich erstmal ein kleiner Schock war. Patrick und ich hatten vorher offen über das Risiko eines kranken Kindes gesprochen und sogar ein Baby „aus dem Reagenzglas“ in Erwägung gezogen. Aber was hat das schon mit einem schönen und unvergesslichen Zeugungsmoment zu tun? Leider gar nichts! So stand für uns fest, dass wir auf natürliche Weise ein Kind zeugen wollen. Und ja, wir haben schon ein bisschen darauf gehofft, dass es vielleicht ein gesundes Mädchen wird. Als in der 19. Woche fest stand, dass es ein Junge ist, wurde mir meine Rolle als Konduktorin plötzlich wieder schmerzlich bewusst. Immerhin bestand damit das Risiko, dass unser Kind höchstwahrscheinlich die Hämophilie erben wird. Das machte den gefürchteten Kaiserschnitt dann leider unausweichlich.

Doch ich gewöhnte mich an den Gedanken und während meine Mutter mir mit ihrer eigenen Erfahrung sehr viel Halt gab, nahm es mein Verlobter sogar mit Humor und gab zu: „Ich bin eigentlich auch ganz froh, dass wir einen Jungen bekommen und keine Zicke.“

Familie nach der Geburt

Empfangskomitee im Kreißsaal  – Großes Geburtsteam


Patricks Optimismus und die gute Vorbereitung während meiner echt problemlosen Schwangerschaft, in der mein Faktorspiegel stieg, brachten mir dann die ersehnte Vorfreude auf unser Baby. Alle sechs Wochen besuchten wir das Gerinnungszentrum in Duisburg und ich wurde sehr sorgsam auf den geplanten Kaiserschnitt vorbereitet. Meine Hebamme war dabei eine echte Stütze. Sie hatte noch nie vorher einen solchen Fall gehabt, aber absolut keine Berührungsängste –einfach cool. Falls sie unsicher gewesen wäre, hätte sie aber auch Tag und Nacht im Gerinnungszentrum nachfragen können. Das hat mir auf jeden Fall ein sicheres Gefühl gegeben.
Sechs Wochen vor dem Geburtstermin habe ich einen genauen Plan bekommen, wie der Ablauf sein wird und auch die Krankenschwestern wurden sehr sensibilisiert.
Und dann kam der Tag der Geburt. Dessen Bedeutung wurde mir spätestens klar, als gefühlt das halbe Klinikpersonal im Kreißsaal stand. Drei Ärzte, eine Anästhesistin und meine Hebamme holten unseren Kleinen auf die Welt. Mein Verlobter und meine Mutter machten das Empfangskomitee für unseren Titus perfekt. Zum Glück verlief der Kaiserschnitt ganz ohne Komplikationen. Von meinen Sorgen keine Spur mehr!

Titus

Im Strampler zum Physiotherapeuten – Titus erste Lebensmonate


In der Schwangerschaft hatten wir uns bewusst gegen eine Fruchtwasseruntersuchung entschieden. Natürlich hätten wir so direkt gewusst, ob unser Baby die Hämophilie hat, aber das hätte für uns keinen Unterschied gemacht. So gab uns dann nach der Geburt ein Bluttest Gewissheit:
Titus hat Hämophilie A. Und schnell waren sie wieder da: meine Sorgen. Der Gedanke, dass er bald in seine kleinen Venen Spritzen bekommen muss, machte mich traurig. Doch meine Familie hat mich super aufgebaut und mir gezeigt, dass es keinen Grund gibt, Trübsal zu blasen. Titus geht es schließlich gut. Wir gehen alle zwei Wochen ins Gerinnungszentrum und zum Physiotherapeuten, um seine Gelenke zu checken und tun natürlich alles Notwendige, dass er fröhlich und unbeschwert aufwachsen kann. Die fiesen Spritzen werden wir unserem Kleinen zwar nicht ersparen können, aber daran wird er sich schon gewöhnen und seine späteren Freunde ganz bestimmt auch.

Hallo, mein Name ist Denise, ich bin 25 Jahre alt und lebe zusammen mit meinem Verlobten Patrick  in einem kleinen Dörfchen im Kreis Kleve. Vor ziemlich genau fünf Monaten ist unser Sohn Titus Phil auf die Welt gekommen, der an der schweren Verlaufsform der Hämophilie erkrankt ist. Ich bin gelernte Heilerziehungspflegerin und arbeite in einem Wohnheim für Autisten. Aktuell bin ich aber in Elternzeit.