Werkbank

Ohne Berührungsängste an der Werkbank

Tom erzählt im Interview von seinem beruflichen Werdegang: Von Tischler-Traum bis Architektur-Studium – mit ganz viel Handwerk und Computern zwischendrin.

Hi Tom, mit deiner Bienenhotel-Anleitung hast du uns schon gezeigt, dass du handwerklich sehr begabt bist. Woher kommt das?

Tom: Ich hatte schon immer handwerkliches Interesse, ursprünglich wollte ich mal Tischler werden. Aber so gradlinig war mein Weg dann nicht. Nach meinem Abitur wusste ich noch nicht so genau, wie es konkret weitergehen soll. Deswegen habe ich erst angefangen zu studieren – Biologie. Das war aber nichts für mich. Ich wollte etwas machen, bei dem ich wirklich etwas „erschaffen“ kann.

Und dann?

Tom: Dann bin ich aber auf die Ausbildung zum „Technischen Modellbauer“ gestoßen. Als ich mich mit dem Job auseinandergesetzt habe, war für mich sofort klar: Das will ich machen. Denn der Beruf bietet eine coole Mischung aus Handwerk und computergestützter Fertigung. Mit 21 Jahren habe ich die Ausbildung dann angefangen. Damit war ich dann auch wieder näher dran am ursprünglichen Tischler-Plan.

Welche Rolle spielte die Hämophilie dabei? Die Krankheit scheint ja auf den ersten Blick nicht perfekt zu einem Job mit Hammer, Säge und Co. zu passen?

Tom: Für den Job selbst hat das für mich keine Rolle gespielt. Wobei der Job des technischen Modellbauers gegenüber einem Job als Tischer schon Vorteile hat. Der Gedanke war: Ich fange sehr handwerklich an und arbeite dann mit der Zeit immer stärker computergestützt, was natürlich schonender für den Körper ist

Tom nach der Ehrung am Ende seiner Ausbildung zum technischen Modellbauer

Tom nach der Ehrung am Ende seiner Ausbildung zum technischen Modellbauer

War die Hämophilie für deinen Ausbildungsbetrieb denn ein Hindernis?

Tom: Nein, zum Glück auch nicht. Mein Ausbilder kannte mich aber schon aus dem Kindesalter über ein paar Ecken. Er hatte also keinerlei Berührungsängste. Und meinen vier Kollegen habe ich auch allen Bescheid gesagt. Mein ehemaliger Geselle wollte sogar mal lernen, wie er mich im Notfall spritzen könnte – zum Beispiel wenn ich mir mal einen Arm abhacke. Das war aber zum Glück nie nötig. Insgesamt waren meine Kollegen ohnehin alle sehr intelligent und hatten ein gutes Verständnis für meine Krankheit.

Aber es ist doch bestimmt mal etwas schief gegangen?

Tom: Ja, aber das waren immer nur Kleinigkeiten. Ich hatte vor Ort immer meine Medikamente für einen Notfall im Kühlschrank. Wenn mal etwas passiert ist, habe ich mich kurz gespritzt und dann war auch alles gut.

Wie hat dir der Job gefallen und was waren deine Highlights?

Tom: Der Job hat mir super gefallen und wirklich Spaß gemacht. Sowohl in der Ausbildung als auch danach in meiner Zeit als Geselle. Ein Highlight war für mich sicher, dass ich zum Ende der Ausbildung an einem bundesweiten Wettbewerb teilgenommen habe – für mein „Gesellenstück“. Das war eine spezielle Gussform für ein Maschinenteil, klingt unspektakulär, war aber nicht ganz einfach. Dafür wurde ich dann ausgezeichnet, als Bester in NRW und als Drittbester in ganz Deutschland.

Gebäude

Ein aktueller Entwurf von Tom aus seinem Architektur-Studium

Wow, Respekt! Und arbeitest du heute auch noch in dem Job?

Tom: Nein. Ich habe mir mit 25 Jahren dann überlegt, wie es weiter gehen soll. Ich wollte noch einmal einen Schritt machen. Die Optionen waren für mich, den Meister zu machen oder zu studieren. Das Problem beim Meister ist, dass der sich oft nur lohnt, wenn man sich selbstständig macht – und das ist in der Branche mit hohen Kosten verbunden. Schließlich benötigt man als technischer Modellbauer auch großes technisches Equipment. Daher habe ich mich dann für ein Studium entschieden.

Was studierst du? Sicher nicht wieder Biologie?

Tom: Genau, jetzt studiere ich Architektur. Also ein Studium, das sehr gut an meine Berufserfahrung anschließt. Meine Ausbildung hilft mir dabei auch sehr, weil ich weiß, wie man Dinge baut und nun ein besseres Verständnis habe. Aufgaben wie die Modellierung oder ähnliches sind außerdem Inhalte meiner Ausbildung gewesen, die ich jetzt wieder mache.

Wie gefällt dir das Studium?

Tom: Sehr gut, es macht großen Spaß. Meine Freundin ist Innenarchitektin, daher wusste ich, dass mir das Thema grundsätzlich Freude macht. Und das Studium ist sehr abwechslungsreich, im Oktober waren wir noch eine Woche in den USA für einen Kurs, letztes Jahr in Venedig. Das ist schon cool.

Wie soll es nach dem Studium weitergehen?

Tom: Ich würde mich gerne beruflich auf „parametrisches Design“ konzentrieren. Dabei geht es um die Entwicklung von Formen und Flächen auf Basis von programmierten Prozessen. Das im Detail zu erklären, wäre jetzt zu viel. Die BMW Welt in München (von COOP HIMMELB(L)AU) basiert zum Beispiel auf parametrischem Design. Und die Anforderungen verbinden meine Ausbildung und mein Studium quasi optimal.

Danke dir für das Interview.

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Hi Tom, mit deiner Bienenhotel-Anleitung hast du uns schon gezeigt, dass du handwerklich sehr begabt bist. Woher kommt das?

Tom: Ich hatte schon immer handwerkliches Interesse, ursprünglich wollte ich mal Tischler werden. Aber so gradlinig war mein Weg dann nicht. Nach meinem Abitur wusste ich noch nicht so genau, wie es konkret weitergehen soll. Deswegen habe ich erst angefangen zu studieren – Biologie. Das war aber nichts für mich. Ich wollte etwas machen, bei dem ich wirklich etwas „erschaffen“ kann.

Und dann?

Tom: Dann bin ich aber auf die Ausbildung zum „Technischen Modellbauer“ gestoßen. Als ich mich mit dem Job auseinandergesetzt habe, war für mich sofort klar: Das will ich machen. Denn der Beruf bietet eine coole Mischung aus Handwerk und computergestützter Fertigung. Mit 21 Jahren habe ich die Ausbildung dann angefangen. Damit war ich dann auch wieder näher dran am ursprünglichen Tischler-Plan.

Welche Rolle spielte die Hämophilie dabei? Die Krankheit scheint ja auf den ersten Blick nicht perfekt zu einem Job mit Hammer, Säge und Co. zu passen?

Tom: Für den Job selbst hat das für mich keine Rolle gespielt. Wobei der Job des technischen Modellbauers gegenüber einem Job als Tischer schon Vorteile hat. Der Gedanke war: Ich fange sehr handwerklich an und arbeite dann mit der Zeit immer stärker computergestützt, was natürlich schonender für den Körper ist

Tom nach der Ehrung am Ende seiner Ausbildung zum technischen Modellbauer

Tom nach der Ehrung am Ende seiner Ausbildung zum technischen Modellbauer

War die Hämophilie für deinen Ausbildungsbetrieb denn ein Hindernis?

Tom: Nein, zum Glück auch nicht. Mein Ausbilder kannte mich aber schon aus dem Kindesalter über ein paar Ecken. Er hatte also keinerlei Berührungsängste. Und meinen vier Kollegen habe ich auch allen Bescheid gesagt. Mein ehemaliger Geselle wollte sogar mal lernen, wie er mich im Notfall spritzen könnte – zum Beispiel wenn ich mir mal einen Arm abhacke. Das war aber zum Glück nie nötig. Insgesamt waren meine Kollegen ohnehin alle sehr intelligent und hatten ein gutes Verständnis für meine Krankheit.

Aber es ist doch bestimmt mal etwas schief gegangen?

Tom: Ja, aber das waren immer nur Kleinigkeiten. Ich hatte vor Ort immer meine Medikamente für einen Notfall im Kühlschrank. Wenn mal etwas passiert ist, habe ich mich kurz gespritzt und dann war auch alles gut.

Wie hat dir der Job gefallen und was waren deine Highlights?

Tom: Der Job hat mir super gefallen und wirklich Spaß gemacht. Sowohl in der Ausbildung als auch danach in meiner Zeit als Geselle. Ein Highlight war für mich sicher, dass ich zum Ende der Ausbildung an einem bundesweiten Wettbewerb teilgenommen habe – für mein „Gesellenstück“. Das war eine spezielle Gussform für ein Maschinenteil, klingt unspektakulär, war aber nicht ganz einfach. Dafür wurde ich dann ausgezeichnet, als Bester in NRW und als Drittbester in ganz Deutschland.

Gebäude

Ein aktueller Entwurf von Tom aus seinem Architektur-Studium

Wow, Respekt! Und arbeitest du heute auch noch in dem Job?

Tom: Nein. Ich habe mir mit 25 Jahren dann überlegt, wie es weiter gehen soll. Ich wollte noch einmal einen Schritt machen. Die Optionen waren für mich, den Meister zu machen oder zu studieren. Das Problem beim Meister ist, dass der sich oft nur lohnt, wenn man sich selbstständig macht – und das ist in der Branche mit hohen Kosten verbunden. Schließlich benötigt man als technischer Modellbauer auch großes technisches Equipment. Daher habe ich mich dann für ein Studium entschieden.

Was studierst du? Sicher nicht wieder Biologie?

Tom: Genau, jetzt studiere ich Architektur. Also ein Studium, das sehr gut an meine Berufserfahrung anschließt. Meine Ausbildung hilft mir dabei auch sehr, weil ich weiß, wie man Dinge baut und nun ein besseres Verständnis habe. Aufgaben wie die Modellierung oder ähnliches sind außerdem Inhalte meiner Ausbildung gewesen, die ich jetzt wieder mache.

Wie gefällt dir das Studium?

Tom: Sehr gut, es macht großen Spaß. Meine Freundin ist Innenarchitektin, daher wusste ich, dass mir das Thema grundsätzlich Freude macht. Und das Studium ist sehr abwechslungsreich, im Oktober waren wir noch eine Woche in den USA für einen Kurs, letztes Jahr in Venedig. Das ist schon cool.

Wie soll es nach dem Studium weitergehen?

Tom: Ich würde mich gerne beruflich auf „parametrisches Design“ konzentrieren. Dabei geht es um die Entwicklung von Formen und Flächen auf Basis von programmierten Prozessen. Das im Detail zu erklären, wäre jetzt zu viel. Die BMW Welt in München (von COOP HIMMELB(L)AU) basiert zum Beispiel auf parametrischem Design. Und die Anforderungen verbinden meine Ausbildung und mein Studium quasi optimal.

Danke dir für das Interview.

Keine Angst vor der Therapie-Umstellung

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