Anna und ihr Freund auf den Klippen sitzend

5 Wochen Kalifornien mit Anna - Teil II

Campen zwischen Schwarzbären und Pumas

Im Yosemite Valley angekommen, ergatterten wir einen der letzten Plätze auf dem berühmten Kletterer-Campingplatz. Unser Camp teilten wir uns mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe von Kletterbegeisterten und Naturfreunden aus der ganzen Welt. Abends saßen wir gemeinsam ums Lagerfeuer, kochten auf unseren kleinen Gasflammen und redeten über Gott und die Welt. Hier lernten wir auch ein Ärztepaar aus Deutschland kennen, das sich hilfsbereit meine durchnässten und inzwischen wieder getrockneten Medikamentenverpackungen anschaute und Entwarnung gab. Solange ich Nadeln und Spritzen gut desinfiziere, sei alles ok, so die beiden Ärzte. Damit war dieses Problem auch gelöst und ich war erleichtert.

Anna setzt sich eine Spritze
Anna setzt sich eine Spritze

Nach Sonnenuntergang müssen im Camp Lebensmittel, Kosmetika, Medikamente und alle Abfälle in Stahlboxen eingeschlossen werden. Denn nicht nur niedliche Waschbären suchen den Campingplatz im Schutz der Dunkelheit heim; im Valley gibt es Schwarzbären und Pumas, die hin und wieder auf der Suche nach Beute und Essensresten durch die Campingplätze streifen. Nachts wird es hier übrigens unheimlich kalt. Eisiger Wind und Temperaturen unter 10 Grad sind keine Seltenheit.

Das Yosemite Valley ist eines der berühmtesten Klettergebiete der Welt. Dennoch habe ich auf meine Kletterschuhe verzichtet – einen Unfall wollte ich nicht riskieren. Dafür spottete ich Kai, der es sich als großer Kletterfan natürlich nicht entgehen lassen konnte, sich an den berühmten Bouldern rund um den Campingplatz zu versuchen.

Doch nicht nur zum Klettern ist das Valley wie geschaffen, hier gibt es auch anspruchsvolle Wanderwege. An unserem ersten Tag bestiegen wir den Yosemite Point, der auf knapp 3000 Metern liegt und von wo aus man einen spektakulären Blick über das Valley hat. Charakteristisch für dieses UNESCO-Weltnaturerbe sind seine steilen Felswände, die 1000 Meter gerade in die Tiefe führen.

Yosemite National Park

Wer hier wandert, muss trittsicher und schwindelfrei sein, da die Wanderwege an der steilen Felswand sehr schmal sind. Erst als wir oben an der Kante der Felswand standen, wurde mir richtig bewusst, wie hoch wir sind, und mir wurde etwas flau im Magen.

Nach einer Woche im märchenhaften, aber auch mit Touristen übervölkerten Yosemite National Park machten wir uns auf den Weg in Richtung Lake Tahoe. Hier verbrachten wir noch einige Tage in Abgeschiedenheit auf einem einfachen Campingplatz ohne fließend Wasser mitten im Wald.

Anna und ihr Freund an einer Klippe sitzend

Der Lake Tahoe ist einfach riesig. Er liegt auf 1900 Metern und ist ca. 500 Meter tief. Die Zeit verbrachten wir hier mit wandern und baden im eiskalten und kristallklaren Wasser.

Trotz des täglichen Spritzens an den Wandertagen merkte ich mein Sprunggelenk, das seit einer vergangenen Blutung immer mal wieder Probleme macht. Daher entschieden wir uns, den Weg an die Küste anzutreten und uns dort ein wenig auszuruhen.

Zwischen Flower Power und Asphalt verbrachten wir einige wundervolle Tage in San Francisco, bevor wir über den berühmten Highway 1 über Monterey weiter Richtung Süden fuhren. Im Monterey Bay Aquarium sahen wir die einzigartige Quallenausstellung und das riesige, der lokalen Unterwasserwelt nachempfundene Kelp Aquarium. In einem der Touch-Pools machten wir Bekanntschaft mit der hübschen Abalone. Wir lernten, dass wir diese Meeresschnecke nur vorsichtig berühren dürfen, da diese Tiere von Natur aus keine Blutgerinnung besitzen.

Unser nächstes Ziel war Big Sur, ein ca. 100 Kilometer langer felsiger Küstenstreifen, an dem sich der Highway 1 entlang schlängelt und einen fantastischen Blick auf den Pazifik bietet.

Big Sur

Um 6 Uhr morgens besuchten wir hier den wunderschönen Pfeifer Beach mit seinem charakteristischen lilafarbenen Sand und beobachteten, wie die Sonne über den Klippen aufging. Als wir gerade ein Frühstück machen wollen, kam eine Wespe angeflogen und stach einfach zu. Meine Hand wurde im Laufe des Tages immer dicker und als sich die allergische Reaktion nachts auf meinen Arm ausbreitete, beschlossen wir, einen Arzt aufzusuchen. Mir wurden Antiallergika verschrieben und nun kam uns zugute, dass Kai gelernt hat, wie man eine Spritze legt, da ich allein dazu nicht mehr richtig in der Lage war.
Naja, solche Missgeschicke gehören wohl auch zu unserem Naturabenteuer. Ab jetzt habe ich immer Notfalltabletten gegen Stiche in meinem Erste-Hilfe-Set. Wir setzen unseren Weg entlang der Küste fort und blieben jede Nacht auf einem anderen Campingplatz.

See Elefanten am Highway 1

Kurz hinter Santa Barbara machten wir einen kleinen Abstecher ins Inland und badeten in den heißen Quellen einer Hippiekommune Namens Ecotopia in der Nähe von Ojai. Völlig nackt hüpften wir über das Gelände der Kommune um uns im kalten Fluss abzukühlen und stellen uns vor, wie es in den 68ern hier in Kalifornien gewesen sein muss. An diesem spirituellen Ort kamen wir uns zwar etwas albern und fehl am Platz vor aber die Erfahrung wird uns vermutlich immer in Erinnerung bleiben.

Unseren letzten Tag vor der Abreise verbrachten wir am Malibu Beach, genossen die Sonne, beobachteten die vielen Surfer und gingen ein letztes Mal im Atlantik baden.

Der Abschied fiel uns schwer, besonders bei dem Gedanken an das verregnete Deutschland und den bevorstehenden Unialltag, aber eines ist mir auf diesem Road Trip klar geworden: nämlich, dass ich mich in Zukunft viel mehr trauen werde.

5 Wochen Kalifornien mit Anna - Teil II

Campen zwischen Schwarzbären und Pumas

Im Yosemite Valley angekommen, ergatterten wir einen der letzten Plätze auf dem berühmten Kletterer-Campingplatz. Unser Camp teilten wir uns mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe von Kletterbegeisterten und Naturfreunden aus der ganzen Welt. Abends saßen wir gemeinsam ums Lagerfeuer, kochten auf unseren kleinen Gasflammen und redeten über Gott und die Welt. Hier lernten wir auch ein Ärztepaar aus Deutschland kennen, das sich hilfsbereit meine durchnässten und inzwischen wieder getrockneten Medikamentenverpackungen anschaute und Entwarnung gab. Solange ich Nadeln und Spritzen gut desinfiziere, sei alles ok, so die beiden Ärzte. Damit war dieses Problem auch gelöst und ich war erleichtert.

Anna setzt sich eine Spritze
Anna setzt sich eine Spritze

Nach Sonnenuntergang müssen im Camp Lebensmittel, Kosmetika, Medikamente und alle Abfälle in Stahlboxen eingeschlossen werden. Denn nicht nur niedliche Waschbären suchen den Campingplatz im Schutz der Dunkelheit heim; im Valley gibt es Schwarzbären und Pumas, die hin und wieder auf der Suche nach Beute und Essensresten durch die Campingplätze streifen. Nachts wird es hier übrigens unheimlich kalt. Eisiger Wind und Temperaturen unter 10 Grad sind keine Seltenheit.

Das Yosemite Valley ist eines der berühmtesten Klettergebiete der Welt. Dennoch habe ich auf meine Kletterschuhe verzichtet – einen Unfall wollte ich nicht riskieren. Dafür spottete ich Kai, der es sich als großer Kletterfan natürlich nicht entgehen lassen konnte, sich an den berühmten Bouldern rund um den Campingplatz zu versuchen.

Doch nicht nur zum Klettern ist das Valley wie geschaffen, hier gibt es auch anspruchsvolle Wanderwege. An unserem ersten Tag bestiegen wir den Yosemite Point, der auf knapp 3000 Metern liegt und von wo aus man einen spektakulären Blick über das Valley hat. Charakteristisch für dieses UNESCO-Weltnaturerbe sind seine steilen Felswände, die 1000 Meter gerade in die Tiefe führen.

Yosemite National Park

Wer hier wandert, muss trittsicher und schwindelfrei sein, da die Wanderwege an der steilen Felswand sehr schmal sind. Erst als wir oben an der Kante der Felswand standen, wurde mir richtig bewusst, wie hoch wir sind, und mir wurde etwas flau im Magen.

Nach einer Woche im märchenhaften, aber auch mit Touristen übervölkerten Yosemite National Park machten wir uns auf den Weg in Richtung Lake Tahoe. Hier verbrachten wir noch einige Tage in Abgeschiedenheit auf einem einfachen Campingplatz ohne fließend Wasser mitten im Wald.

Anna und ihr Freund an einer Klippe sitzend

Der Lake Tahoe ist einfach riesig. Er liegt auf 1900 Metern und ist ca. 500 Meter tief. Die Zeit verbrachten wir hier mit wandern und baden im eiskalten und kristallklaren Wasser.

Trotz des täglichen Spritzens an den Wandertagen merkte ich mein Sprunggelenk, das seit einer vergangenen Blutung immer mal wieder Probleme macht. Daher entschieden wir uns, den Weg an die Küste anzutreten und uns dort ein wenig auszuruhen.

Zwischen Flower Power und Asphalt verbrachten wir einige wundervolle Tage in San Francisco, bevor wir über den berühmten Highway 1 über Monterey weiter Richtung Süden fuhren. Im Monterey Bay Aquarium sahen wir die einzigartige Quallenausstellung und das riesige, der lokalen Unterwasserwelt nachempfundene Kelp Aquarium. In einem der Touch-Pools machten wir Bekanntschaft mit der hübschen Abalone. Wir lernten, dass wir diese Meeresschnecke nur vorsichtig berühren dürfen, da diese Tiere von Natur aus keine Blutgerinnung besitzen.

Unser nächstes Ziel war Big Sur, ein ca. 100 Kilometer langer felsiger Küstenstreifen, an dem sich der Highway 1 entlang schlängelt und einen fantastischen Blick auf den Pazifik bietet.

Big Sur

Um 6 Uhr morgens besuchten wir hier den wunderschönen Pfeifer Beach mit seinem charakteristischen lilafarbenen Sand und beobachteten, wie die Sonne über den Klippen aufging. Als wir gerade ein Frühstück machen wollen, kam eine Wespe angeflogen und stach einfach zu. Meine Hand wurde im Laufe des Tages immer dicker und als sich die allergische Reaktion nachts auf meinen Arm ausbreitete, beschlossen wir, einen Arzt aufzusuchen. Mir wurden Antiallergika verschrieben und nun kam uns zugute, dass Kai gelernt hat, wie man eine Spritze legt, da ich allein dazu nicht mehr richtig in der Lage war.
Naja, solche Missgeschicke gehören wohl auch zu unserem Naturabenteuer. Ab jetzt habe ich immer Notfalltabletten gegen Stiche in meinem Erste-Hilfe-Set. Wir setzen unseren Weg entlang der Küste fort und blieben jede Nacht auf einem anderen Campingplatz.

See Elefanten am Highway 1

Kurz hinter Santa Barbara machten wir einen kleinen Abstecher ins Inland und badeten in den heißen Quellen einer Hippiekommune Namens Ecotopia in der Nähe von Ojai. Völlig nackt hüpften wir über das Gelände der Kommune um uns im kalten Fluss abzukühlen und stellen uns vor, wie es in den 68ern hier in Kalifornien gewesen sein muss. An diesem spirituellen Ort kamen wir uns zwar etwas albern und fehl am Platz vor aber die Erfahrung wird uns vermutlich immer in Erinnerung bleiben.

Unseren letzten Tag vor der Abreise verbrachten wir am Malibu Beach, genossen die Sonne, beobachteten die vielen Surfer und gingen ein letztes Mal im Atlantik baden.

Der Abschied fiel uns schwer, besonders bei dem Gedanken an das verregnete Deutschland und den bevorstehenden Unialltag, aber eines ist mir auf diesem Road Trip klar geworden: nämlich, dass ich mich in Zukunft viel mehr trauen werde.